Mittwoch, 23. Oktober 2013

Deutsch-Griechische Versammlung

Griechenland setzt auf Landwirtschaft

Griechenland ist ein traditionelles Agrarland, schöpft seine Möglichkeiten aber bisher zu wenig aus. Wie Landwirte mit ihren Produkten auf dem Weltmarkt stärker punkten können, war Thema der Deutsch-Griechischen Versammlung in Nürnberg.

Olivenernte in Griechenland Foto: picture alliance / Rolf Haid

Lokale Initiativen und ein Kompetenzzentrum könnten der Schlüssel zum Erfolg sein. "Wir wollen die Agrarwirtschaft zum dritten wirtschaftlichen Standbein neben Tourismus und Schifffahrt machen", gibt der griechische Landwirtschaftsminister Athanasios Tsaftaris die Richtung vor.

Die Exportzahlen entwickeln sich positiv. Griechenland tritt verstärkt auf Messen auf, um seine Produkte zu präsentieren. "Da ist eine gute Entwicklung eingeleitet worden", freut sich Beauftragte der Bundeskanzlerin für die Deutsch-Griechische Versammlung, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel.

Deutsche Landwirtschaft als Vorbild

Der Reformbedarf in Griechenland ist groß. Ein Beispiel: Die Genossenschaften. Es gibt zu viele. Sie arbeiten ineffektiv. Die Kräfte zu bündeln ist eine Aufgabe für die Kommunalpolitik. Ein neues Gesetz gibt den Kommunen mehr Einfluss in diesem bisher zentralistisch gesteuerten Sektor. "Deutschland kann mit seinem föderalen System ein Vorbild für die griechische Landwirtschaftspolitik sein", regt Agrarprofessor Athanasios Kizos von der Ägäis-Universität an.

Neben den Reformen auf nationaler Ebene sind lokale Initiativen der Schlüssel zum Erfolg, ist sich auch Fuchtel sicher. Die Bundesregierung stellt mit der Deutsch-Griechischen Versammlung ein Forum für Kommunalpolitiker und Experten zur Verfügung.

Die Teilnehmer diskutieren in einem Workshop über die Landwirtschaft. Ein lokaler Gemüseerzeuger hat seine Gewächshäuser für eine interessierte Gruppe geöffnet. Der Markt der Möglichkeiten bietet konkreten Projekten ein Forum, um sich vorzustellen.

Eine lokalpolitische Vorreiterrolle spielt die Insel Lesbos. Hier haben sich Bürger zusammengeschlossen und eine Kooperative gegründet. Auf der Insel gibt es elf Millionen Olivenbäume. Die Haine sollen bewahrt und die Region gefördert werden. Die Ägäis-Universität analysiert die Potenziale der Region. Die Ergebnisse fließen in ein regionales Konzept ein.

Kompetenzzentrum soll Landwirte beraten

2014 soll ein Kompetenzzentrum für Landwirtschaft in der Ägäisregion gegründet werden. Eine Einrichtung, die den Landwirten vor Ort fachliches Wissen vermittelt und Netzwerke aufbaut, so der Plan. Der Olivenanbau wird zunächst im Mittelpunkt stehen.

In den Bereichen Verkauf und Marketing werden die Händler gezielt geschult. Ziel ist es, qualitativ hochwertige Produkte zu erzeugen und sie auch so zu verkaufen. Bisher geht ein Großteil der griechischen Oliven als günstige und lose Ware in den Handel. Der Hinweis auf die Herkunft mit lokalem Bezug soll den Werbeeffekt verstärken.

Beispiel aus der Praxis

Dass das funktioniert, hat die deutsche Familie Jordan bewiesen. Ende der 80er Jahre kaufte sie ein Grundstück auf der Insel Lesbos. Auf diesem Grundstück standen Olivenbäume. Die Familie produzierte zunächst nur für sich und ein paar Freunde Olivenöl.

Das kam gut an und Ende der 90er Jahre wurde eine eigene Marke aufgebaut. Ein Sternekoch wurde aufmerksam und das Olivenöl fand seinen Weg in die gehobene Küche.

Keine unkalkulierbaren Risiken eingehen, lautet die Philosophie. Das Unternehmen wächst Schritt für Schritt. Mit 100 Bäumen und 300 Litern Olivenöl haben sie angefangen. Jetzt bewirtschaften sie bis zu 25.000 Bäume und verkaufen 130.000 Liter Olivenöl pro Jahr.

Vernünftiges Wachstum und konkrete Ziele verfolgen, darin sieht auch der Agrarprofessor den richtigen Weg für griechische Unternehmer und Landwirte.

Quelle: www.bundesregierung.de und http://www.griechenland.diplo.de/Vertretung/griechenland/de/08/Griechenland__setzt__auf__Landwirtschaft.html